Edward Lee – Haus der bösen Lust

Autor Edward Lee

Titel Haus der bösen Lust

Seitenzahl 400

Verlag Festa

Genre Horror

Preis 13,95 €

ISBN 3865521495

Erscheinungsdatum Juni 2012

Erster Satz: „Morris hackte dem Mädchen die Hand mit einem Beil ab, dann lachte er ausgelassen.“

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Inhalt bei amazon.de
„Nachdem Justin Collier das Hotel betreten hat, bemerkt er, wie ungeheuer scharf er heute ist. Er kann an nichts anderes mehr denken als an Sex. Aber er irrt sich – nicht er ist so geil, es ist das Haus … Und als es Nacht wird, hallt durch die leeren Räume ein gieriges Flüstern, und Mädchen, die schon vor langer, langer Zeit starben, kichern unheilvoll …“

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Meine Meinung
Wow, was für ein unglaublich geniales Buch war das denn!!!
Seit Monaten habe ich auf die erste Veröffentlichung eines Edward Lees Romans gewartet und endlich wurde es Juni und HAUS DER BÖSEN LUST erschien im Festa Verlag. Alleine das Cover ist verstörend wie interessant und der Klappentext machte mich nur umso neugieriger. Für mich stand sofort fest: Den Autor musst du testen! Unbedingt! Und ich habe es nach dem Genuss dieses ersten Romans keine Sekunde bereut und kann die kommenden Erscheinungen gar nicht mehr erwarten!

Edward Lee schreibt anders. Er schreibt hart, direkt, klar. Er lässt nichts ungesagt oder beschönigt, sondern zeigt den Menschen und seine Taten so, wie sie sind: Real und erschreckend, bedrohlich und pervers, krank und – menschlich.

Als erstes fiel mir Lees toller Schreibstil auf. Der Prolog wurde von mir aufgesaugt wie ein Schwamm das viele Wasser und zack befand ich mich mitten in der Story rund um Justin Collier und dem merkwürdigen Haus. Sein Stil ist sehr locker und einfach, dennoch keineswegs flach. Er lässt sich wunderbar lesen und ich tat dies mit viel Genuss. Ja, ich hatte richtig SPAß beim Lesen!
Die Sprache, und hier wahrscheinlich auch ein großer Teil der Übersetzung, sind richtig gut gelungen. Lee schreibt, als hätte er in seinem ganzen Leben nichts anderes getan. Ich war sofort in seiner Geschichte drin und wollte das Buch bis zum Ende eigentlich gar nicht mehr aus der Hand legen. Dies führte dazu, dass ich sogar auf der Arbeit und in der Bahn las, obwohl ich dies eher selten tu. Aber Story wie Schreibstil packten mich so sehr, dass ich nicht anders konnte. In meinem Kopf lief ein Horrorfilm ab und ich schaute mit viel Genuss und Fun zu.

Was mir besonders gut gefallen hat, ist Lees Härte und Klarheit. Er schreibt direkt heraus und sucht nicht erst nach Worten, mit denen er die beschriebenen Taten, Gedanken und Gefühle umschreiben könnte. Nein, er berichtet dem Leser nackt und eiskalt die Tatsachen. Das hat mich ziemlich umgehauen und beeindruckt. Ich lese viel Brutales und bin inzwischen sehr viel gewohnt und ziemlich abgehärtet. Aber Lee hat es mit HAUS DER BÖSEN LUST in zwei, drei Szenen geschafft, mich aufatmen zu lassen. Und zwar so richtig tief! Ich musste durchatmen und habe mir gedacht: Mensch, was geht denn jetzt hier ab? IRRE! Wuha!
Seine Sprache und die damit beschriebene Story ist sehr vulgär, pervers, penetrant, abartig, speziell, überspitzt, kritisch und eben besonders klar und deutlich. Ich kenne keinen vergleichbaren Autor, der so präzise abartig und gleichzeitig kein bisschen „billig“ oder „sinnlos“ daherkommt. Edward Lee schreibt hier – wenn man das überhaupt so bezeichnen kann – mit Sinn und Verstand. Und genau das ist es, was das Buch bzw. die Story auch so erschreckend macht: Trotz der Übersinnlichen Aspekte wirkt es nachvollziehbar und logisch.
Bei Lee passt einfach alles: Seine Kapitel sind recht kurz gehalten, was zum einen zur Schnelligkeit des Lesen beiträgt, zum anderen aber auch einen permanenten Wechsel der Szenen zulässt, sodass der Leser immer weiß, was gerade in den unterschiedlichen Handlungssträngen abläuft. Gerne beendet Lee hier auch ein Kapitel mit einem fiesen Cliffhanger, sodass man unbedingt weiter lesen muss.

HAUS DER BÖSEN LUST besteht aus zwei Zeitebenen: Gegenwart und Vergangenheit um 1860 herum. Besonders diese Zeitsprünge haben mir sehr gut gefallen. Dadurch, dass der Autor seine Charaktere genauso klar und eindeutig beschreibt und handeln lässt, habe ich auch keinen von ihnen durcheinander gebracht und konnte somit auch mit den Zeitsprüngen super die Story verfolgen. Lees Charaktere waren eh sehr besonders. Fast von jeder Sorte Mensch ist eine vertreten. Ob homosexuell, alkohol- oder drogenabhängig, sexbesessen oder prüde, lustig oder ernst, brutal oder brav, krank oder „kränker“ – jeder Charakter hatte für mich etwas besonderes und weckte in mir unterschiedliche Empfindungen: Ich mochte die meisten, selbst die kränksten und brutalsten, denn Lee hat es geschafft, die Menschen menschlich zu zeigen, d. h. mit beiden Seiten, gut und böse. Und selbst die perversesten Charaktere waren packend und interessant.

Was ich unbedingt noch erwähnen möchte, ist, dass Edward Lee sehr sexuell schreibt und in jeglicher Form mit viel Gewalt. Soll heißen, alle paar Kapitel wird jemand vergewaltigt, befriedigt sich jemand selbst, spannt oder wird dabei beobachtet, mordet, tötet oder zerhackt jemanden. All dies passt total zur Story und ist keinesfalls fehl am Platze. Der Autor hat es damit geschafft, mich jedes Mal wieder aufs Neue zu schocken und mir verschiedenen Reaktionen und Handlungen zu zeigen, die seltenst hervorzusehen waren. So z. B. nimmt er den Leser nicht an die Hand, um ihm tabulos die Wahrheit zu zeigen, sondern reißt ihm die Augen auf, sodass man gar nicht anders kann, als hinzusehen. Leser mit Scheuklappen bekommen diese hemmungslos entrissen, Lee zeigt hier die Wahrheit, die Realität, dem, was hinter verschlossenen Türen vor sich geht, bietet er eine Bühne im Rampenlicht.
Daher sei hier erwähnt, dass das Buch definitiv nicht für jeden Leser geeignet ist. Der Verlag hat mir seiner kleinen Warnung schon recht: Edward Lee beschreibt seine Szenen mit überzogenen Darstellungen von Gewalt und Sex, aber er macht das geil! Er macht das anders, er macht es klar und deutlich und verdammt gut.

Zu guter letzt einen Rat: Wer FESTA-Bücher liebt, darf auf keinen Fall EDWARD LEE verpassen! Seine Stimme in der Psychothriller- und Horrorhölle wurde nun hoffentlich endlich erhört und findet viele neue Leser und Zuhörer.
Ich für meinen Teil kann nur sagen, dass HAUS DER BÖSEN LUST im ersten Halbjahr 2012 mein absoluter Favorit ist und ich gleich nach dem Lesen den Wunsch empfand, das Buch gleich noch mal zu lesen.

Ich freue mich IRRE auf
BIGHEAD
CREEKERS
FLESH GOTHIC

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Letztes Wort: „… würde.“

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Bewertung

Cover-Gestaltung 5/5

Preis-Leistung 5/5

Sprache 5/5

Inhalt 5/5

Spannung 4/5

Umsetzung 5/5

Gesamt: 29/30

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~ von David - 29. Juni 2012.

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