„Abends schreiben kann ich nicht!“ – Im Interview mit Siegfried Langer

Hallo meine lieben BlogleserInnen!

Ich freue mich sehr, euch heute die Antworten auf all eure Fragen an Siegfried Langer zu präsentieren. Viel Spaß dabei!

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Stell dich uns doch bitte kurz einmal vor
Ich wurde 1966 in Memmingen geboren und habe dort auch die ersten 30 Jahre meines Lebens verbracht; seit 1996 lebe ich in Berlin. Die längere Version meines etwas chaotischen Lebenslaufs gibt es auf meiner Homepage.

Warum schreibst du gerade Thriller?
Ich wollte zum einen in einem Genre schreiben, das ich selbst gerne lese, zum anderen in einem, für das es im Moment viele potenzielle Leser gibt.

Was macht dir am Schreiben am meisten Spaß und was eher weniger/stresst dich?
Am meisten Spaß macht mir, den Plot zu konstruieren und ihn so zu verschachteln, dass die größtmögliche Spannung entsteht.Am wenigsten Spaß macht, dass man über Wochen alleine vor sich hin schreibt, ohne irgendwelche Rückmeldungen zu bekommen, und dass man jeden Morgen vor einem weißen Bildschirm startet.

Wann und wo schreibst du am liebsten/besten?
Ich schreibe ausschließlich an meinem Schreibtisch zu Hause. Der ist so klein, dass gerade mal der Laptop, die Maus und ein Glas Wasser darauf Platz haben. Ich brauche dabei absolute Ruhe. Andere hören Musik beim Schreiben. Mich lenkt Musik ab.

Hattest du schon mal Angst vor deinen eigenen Gedanken/Ideen für deine  Bücher?
Nein.

Was liest du privat gerne?
Ich lese fast ausschließlich Spannungsliteratur, das Genre ist mir dabei weitestgehend egal. Vorrangig lese ich Romane deutscher Autoren.

Hast du Buchtipps für uns? (Wenn ja, welche?)
Die Romane der aktuellen deutschen Krimi- und Thrillergarde sind eigentlich alle empfehlenswert: Sebastian Fitzek, Nele Neuhaus, Wulf Dorn, Vincent Kliesch, Karla Schmidt usw.

Was ist dein Lieblingsbuch?
‚Der Name der Rose‘ von Umberto Eco. Der Roman ist für mich der Inbegriff von Symbiose zwischen Anspruchs- und Unterhaltungsliteratur.

Welche Bücher stehen bei dir zuhause im Buchregal?
Krimi/Thriller, Science Fiction, vereinzelt auch Fantasy und Historisches; ach, eigentlich alles Mögliche querbeet.

Welche Genre liest du privat am liebsten?
Krimi/Thriller und Science Fiction.

Hast du Autorenvorbilder?
Klar. Hinweise darauf gibt die Widmung in ‚Vater, Mutter, Tod‘.

Lieblingskollegen?
Jaaaa! Nele Neuhaus, Karla Schmidt, Wulf Dorn, bibo Loebnau.

Aus welchem Land kommen deiner Meinung nach die besten Thriller Autoren?
Das weiß ich nicht. Auf jeden Fall aber bin ich froh, dass sich seit knapp zehn Jahren  zunehmend deutsche Autoren im Genre tummeln. Davor gab es eine m. E. zu starke anglo-amerikanische und skandinavische Dominanz.

Gibt es jemanden, der dich zum Schreiben animiert und zur  Veröffentlichung ermutigt hat?
Nur mich selbst.

Wie schwer war es, einen Verlag zu finden bzw. wie hast du einen gefunden?

Da verweise ich gerne auf meinen Artikel bei Buechertitel.de:
http://www.buechertitel.de/Von_70_Absagen_zum_Spitzentitel.html

Könntest du dir vorstellen auch mal etwas anderes als Thriller zu schreiben?
Ja, ich könnte mir auch Science Fiction oder Fantasy vorstellen. Dann würde ich den Roman aber ebenso konzipieren wie ich auch Thriller aufbaue.

Wie hat sich dein Leben seit dem Erscheinen des Buches verändert?
‚Alles bleibt anders‘ brachte mir Selbstbestätigung und die Motivation, weiter zu machen. ‚Vater, Mutter, Tod‘ brachte mich über den ‚Taschengeldstatus‘ hinaus.

Wie lange hast du an deinem ersten Thriller geschrieben?
An ‚Alles bleibt anders‘? Etwa ein Jahr.

Wie lange hast du an deinem aktuellen Thriller geschrieben und was war
diesmal anders?

An ‚Vater, Mutter, Tod‘ etwa neun Monate. Anders war, dass ich diesmal bereits mit einem Literaturagenten zusammenarbeitete, der mir einige wertvolle Rückmeldungen gab.

Worum geht es in „Vater, Mutter, Tod“?
Um die tragischen Konsequenzen, die sich aus dem Tod eines Kindes ergeben.

Wie bist du auf diese Idee gekommen?
Mich fasziniert der Themenkomplex ‚Wahn/Schizophrenie/Multiple  Persönlichkeiten‘. In dieser Richtung wollte ich etwas schreiben.

Wird es eine Fortsetzung geben?
Nein. Die Geschichten der beiden Hauptcharaktere Jacqueline und Martin Manthey  sind erzählt.

Warum spielt der Thriller gerade in Neukölln?
Das schien mir für die Handlung am naheliegendsten.

Hast du dir für dein erstes Buch professionelle Hilfe gesucht/geholt? Jemand der dir geholfen hat?
Ja, meinen Literaturagenten Holger Kuntze.

Welches Gefühl war es, „Vater, Muter, Tod“ das erste Mal fertig gedruckt
in den Händen zu halten?

Ein wunderbares. 🙂

Schreibst du schon an einem zweiten Thriller? / Wenn ja, was erwartet
uns? (Falls du schon was verraten darfst)

Ja, und er ist bereits zu über 50 % vollendet. Erscheinen wird er im Frühjahr-/ Sommerprogramm 2012, wieder bei List.

Hast du beim Cover ein Mitspracherecht?
Der Verlag macht einen Vorschlag. Sowohl bei ‚Alles bleibt anders‘ als auch bei ‚Vater, Mutter, Tod‘ war es so, dass mir das Cover auf Anhieb gefallen hat.

Ich denke, dass jeder Autor ein klein wenig von seinen eigenen Erfahrungen in seine Bücher einbringt. War das bei dir auch so?
Ganz bestimmt. Ohne eine gewisse Lebenserfahrung kann man m. E. kaum glaubwürdige Romane schreiben.

Hast du bei bestimmten Charakteren an reale Menschen aus deinem Leben
gedacht?

Nein.

Wie sieht dein normaler Arbeitsalltag als Autor aus?
Ab acht Uhr morgens am Laptop sitzen. Irgendwann nachmittags lässt dann die Konzentration nach. Abends schreiben kann ich nicht.

Nach welchen Kriterien wählst du den Schauplatz für die Tatorte aus?
Ich versuche sie so zu wählen, dass sie glaubwürdig sind und nach  Möglichkeit bekannt oder zumindest nachvollziehbar.

Besuchst du den Ort des Geschehens selbst?
Falls möglich und nötig: ja. Ich war auf dem Gelände der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik, im Lafayette,  im Friedhof am Mehringdamm und und und.

Schreibst du das Ende zu erst oder schreibst du drauf los und lässt dich
überraschen, wie es sich entwickelt?

Bevor ich mit dem Manuskript beginne, steht bereits der komplette Ablauf fest.

Was ist das besondere an deinen Büchern und wie heben sich der Inhalt
oder die Figuren von anderen Thrillern ab?

Das Besondere an meinen Romanen ist ihre Dramaturgie. Wer Filme wie ‚Pulp Fiction‘, ‚Memento‘ oder ’12 Monkeys‘ mag, kommt bei  meinen Romanen auf seine Kosten. Auch ich löse mich von einer klassisch chronologischen Erzählweise.

Warum sollte ich ausgerechnet deine Bücher kaufen und lesen?
Weil sie in ganz besonderer Weise zum Miträtseln einladen. Ich lege sehr viele falsche Fährten und feile intensiv am Spannungsaufbau. Viele Leser erzählten mir, dass sie meine Bücher kaum mehr aus der Hand  legen konnten, nachdem sie sie einmal begonnen hatten.

Wie gehst du mit negativer (Rezi-)Kritik um?
Nach erstem Ärger versuche ich, sie zu ignorieren. Das klappt nicht immer. Da ich überwiegend positive Kritik erhalte, versuche ich, mich damit zu trösten.

Was machst du, wenn du eine Schreibblockade hast?
Hatte ich bisher noch nie. Eher Unlust oder Faulheit. Da muss man sich dann eben zusammenreißen.

Hast du nebst dem Schreiben etwas, was du wirklich gerne machen und auf  das du niemals verzichten könntest?
Ich spiele sehr gerne. Fantasyrollenspiele, Brettspiele, Kartenspiele, Computerspiele, alles.

Welcher war dein Buchheld, als du noch ein Kind warst? / In welche
Buchwelt bist du damals gerne eintauchen?

Ich habe damals schon sehr gerne Krimis und Science Fiction gelesen. Am liebsten Enid Blyton (‚Fünf Freunde‘ u. a.), später dann Agatha  Christie und wieder später Jules Verne und Perry Rhodan.

Ich möchte auch Autor werden: Was würdest du mir raten?
Sehr selbstkritisch sein und geduldig. Und an dich selbst glauben.

Was machst du, wenn dir der Kopf brodelt, ein kilometerlanger Stau
entsteht – und es kein Vorankommen mehr gibt?

Ganz banal: Fernsehen, Computerspiel spielen, radfahren …

Ist Berlin jetzt richtig Heimat geworden oder hast du ab und an Heimweh?
Ich bin zwei bis drei Mal im Jahr im Allgäu und auch sehr gerne dort.  Aber meine Heimat ist heute definitiv Berlin.

Was sind deine drei besten&schlechtesten Eigenschaften?
Au Backe, jetzt geht es aber ans Eingemachte. Hm, das lasse ich mal lieber andere beurteilen.

Hast du ein Lebensmotto?
Weitermachen, aber auch mit dem bereits Erreichten zufrieden sein.

Was sind deine Wünsche für die Zukunft? (privat wie beruflich)
Die letzten anderthalb Jahre liefen schriftstellerisch sehr  zufrieden stellend. Wäre schön, wenn dies so weiterliefe.
Privat? Bin schon etwas länger Single… 😉

.

An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei dir Siegfried bedanken, dass du bei diesem tollen Interview mitgemacht und so fleißig alle Fragen beantwortet hast 🙂 Ebenfalls vielen, vielen Dank für die Bereitstellung eines Exemplares deines mitreißenden Thrillers 😉

Zu gewinnen gab es nämlich unter allen Fragestellern ein signiertes und gewidmetes Exemplar von „Vater, Mutter, Tod“ und der glückliche Gewinner ist:

Katrin K. aus Dissen

Herzlichen Glückwunsch!!!

Du bekommst die Tage Post von Siegfried Langer persönlich. Ich wünsche dir ganz viel Spannung mit diesem Pageturner!

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~ von David - 14. Juli 2011.

6 Antworten to “„Abends schreiben kann ich nicht!“ – Im Interview mit Siegfried Langer”

  1. Ein sehr tolles interview mit tollen informationen.
    Ich freue mich sehr auf den Gewinn und darauf das Buch zu lesen.

    Lg Katrin

  2. Vielen Dank für das schöne Interview. Viele Grüße vom Ullstein Verlag!

  3. Sehr tolles Interview!!
    🙂 Gefällt mir!!

    Ganz liebe Grüße ♥
    Yvi

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